Von Eritrea nach Bad Urach

Grund zum Feiern hat Mehret Kiflom: 25 Jahre Mitarbeit in Stift Urach.
Ob sie das je gedacht hätte, als sie am 17.Mai 1993 im Einkehrhaus begonnen hat?
Bei der kleinen Feier in der Mitarbeiterschaft hat sie ein klein wenig aus ihrem Leben erzählt.

In ihrer Heimat herrschte Krieg.
Da ist sie mit ihrem 5jährigen Sohn aufgebrochen und geflohen. Der Mann war im Krieg, die größeren Kinder konnten bei den Großeltern bleiben.
Kaum vorzustellen, was Frau Kiflom erlebt hat und in jungen Jahren erleiden musste. Zu Fuß ging es vorwiegend bei Nacht von ihrem Heimatort Asmara an die sudanesische Grenze. Erst danach konnten sie auf offenen Pritschenwagen weiterkommen bis Karthum, von dort weiter nach Mailand; – dann ging‘s nach Deutschland, 2 Wochen verbrachte sie mit ihrem Sohn im Auffanglager in Karlsruhe, von dort kamen sie nach Reutlingen. 1985 wurde Mehret Kiflom in Bad Urach als Asylbewerberin registriert.

Bitter war es,
als erst nach Ende der Kriegswirren im Jahr 1992 aus Eritrea die Nachricht kam, dass ihr Ehemann im Laufe des Jahres 1987 im Krieg umgekommen sei. Auch zwei Brüder und weitere Verwandte hat Mehret Kiflom verloren, ein Schicksal, das sie mit vielen Familien teilte.
Die Eingewöhnung in Deutschland war nicht einfach. Sprachbarrieren, Kulturunterschiede, das Gefühl von Fremdsein, Nicht-Verstehen und Nicht-Verstanden werden prägten lange Zeit das Lebensgefühl von Mehret Kiflom.

Heute ist sie unsere „Salat-Königin“,
mit Liebe bereitet sie die schmackhaften Salate fürs Büffet vor und klinkt sich auch immer wieder gerne aktiv in den Service im Restaurant ein.
Wer sie kennt, staunt über ihre wunderbar glänzenden schwarzen Haare, die sie in immer neuen Variationen, manchmal mit vielen Zöpfchen geflochten, frisiert. Sie lebt als überzeugte orthodoxe Christin - in turbulenten Zeiten ein ruhender Pol und aus ihrem feinen Lächeln strahlt Heiterkeit und immer ein Quäntchen Humor.

Bärbel Hartmann