Für eine Medizin der Zuwendung

Begegnungstage für Ärztinnen und Ärzte

Seit vielen Jahren treffen sich zwei Mal jährlich Ärztinnen und Ärzte zum Austausch und zur Begegnung im Stift Urach. Dr. Friedrich Hertel, ein ehemaliger Seelsorger im Robert-Bosch-Krankenhaus, hat diese Treffen ins Leben gerufen, weil er immer wieder Mediziner mit christlichem Hintergrund getroffen hat, die nach Orientierung suchen.

Bei den Begegnungstagen am 27./28. Juli geht es um das Arzt sein am Lebensende und um den Umgang mit Sterbenden. Man könnte denken, dass hier Ärzte über genügend Kompetenzen verfügen müssten. Doch, so Dr. Friedrich Hertel, „im Studium werden angehende Ärzte angeleitet, gesund zu machen und Menschen zu helfen. Es wird jedoch zu wenig vermittelt, wie Menschen beim Sterben gut begleitet werden können.“

Der Philosoph und Mediziner Giovanni Maio hat das Buch „Den kranken Menschen verstehen - für eine Medizin der Zuwendung“ verfasst. Auszüge aus diesem Buch werden Gegenstand des Gespräches im Stift sein. Das Krankwerden vermag den Menschen in eine existenzielle Krise zu stürzen. Die moderne Medizin reagiert darauf mit Naturwissenschaft und perfekter Technik, aber sie lässt den Menschen in seiner Lebenskrise oft allein. Giovanni Maio macht die Einseitigkeit einer naturwissenschaftlich orientierten Medizin deutlich und entwirft eine Ethik in der Medizin, die auf die Kraft der Zuwendung und der Begegnung setzt. Ein überfälliger Aufruf zu einer neuen Medizin der Zwischenmenschlichkeit.