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"Live the momentum" - Zeitansagen und rege Diskussionen über die Ökumene in Corona-Zeiten

Da das Seminar zur Ökumenischen Kirchenentwicklung im Stift Urach ausfallen musste, lud das Team mit Bärbel Zeimantz und Dr. Christiane Bundschuh-Schramm (beide Diözese Rottenburg Stuttgart), Dr. Johannes Reinmüller (Pfarrstelle für Neue Aufbrüche) und Martin Schmid (Stift Urach) zu einem digitalen ökumenischen Kamingespräch am 19.03. ein. Kurze dialogische Impulse setzten ein intensives Gespräch bei den 25 Teilnehmenden in Gang.

Mehrheitlich gab es einen Konsens darüber, dass Corona die ökumenische Zusammenarbeit eher beflügelt hat. Die geistliche Souveränität und Mündigkeit seien gewachsen. Es werde mehr experimentiert, auch unabhängig von den Hierarchien des kirchlichen Gefüges. Die äußere Bedrohung und Herausforderung haben Dinge möglich gemacht, die so nicht in Gang gekommen wären. Ganz gerührt erzählte ein älterer Teilnehmer, dass seine Frau und er zum ersten Mal gemeinsam den Heiligabend bei ökumenischen Krippen-Stationen erleben konnten.

Bei der Frage, wie die ökumenische Zusammenarbeit aussehen kann, um in die Gesellschaft hineinzuwirken, gingen die Meinungen auseinander. Einerseits sollten die Kirchen bescheidener sein bei der Frage der Systemrelevanz. Andererseits sei Selbstbewusstsein angesagt. Neue Zugänge zu den Schätzen der Spiritualität müssten eröffnet werden. Fatal nannte es einer, dass viele das, was Diakonie und Caritas leisten, nicht mit den Kirchen in Verbindung bringen. Eindeutig müsse Kommunikation und Erkennbarkeit der Kirchen verbessert werden. Warum nicht ein gemeinsames Logo für die christlichen Kirchen?, wurde sogar ganz kühn gefordert.
Peter Jost, Theologe und Leiter des ökumenischen Projekts „Raumwunder“ in Schwäbisch Hall, setzte mit Beobachtungen und drei provozierenden Zeitansagen den Schlusspunkt des Abends: „Live the momentum“. Jetzt sei es an der Zeit, den Augenblick für umfassende Reformen der Kirchen und für eine Intensivierung der ökumenischen Kirchenentwicklung zu nutzen:

  1. Stünde Gott und seine Liebe zu den Menschen im Mittelpunkt und nicht der Erhalt der volkskirchlichen und klerikal überformten Kirchengestalt, hätten wir die Erneuerung, die wir heute so dringend brauchen.
  2. Vertrauten wir dem göttlichen Geist in Schwester und Bruder, kämen wir zu dem Schluss, dass die Hierarchien des kirchlichen Gefüges das Gegenteil dessen darstellen, was Jesus vorgelebt und gewollt hat.
  3. Glaubten wir an den einen Leib Christi, dann ließe sich nur noch eine einzige sichtbare Trennung rechtfertigen, diejenige, die aus Liebe verschiedene Wege zu den Menschen geht. Dagegen hätte die in historischen Zerwürfnissen wurzelnde Aufsplitterung der Kirche und die gegenseitige Abgrenzung der Konfessionen keine Daseinsberechtigung.
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