Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land



Mit Psalm 16 gratulierte mir Sr. Edeltraud, Assistentin und Mitglied der Kommunität Jesus-Bruderschaft Gnadenthal zu meinem Dienstbeginn als Leitung von Stift Urach am 10. Juni 2006. Ich spürte ihre Liebe zum Kleinod Stift Urach, selbst noch kaum ahnend, was sich darin verbirgt und was mich für mehr als 12 Jahre auf diesem lieblichen Land erwarten wird: Erwartungen von Synode und Kirchenleitung waren es, viele Gäste zu gewinnen und das Haus mit einer „schwarzen Null“ zu führen; Befürchtungen gab’s, ob die Öffnung nicht auf Kosten des geistlichen Profils geschieht und Meditation und Stille verloren gehen.
Und viel Ermutigung, Unterstützung geschah, durch Mitglieder im Kuratorium, im Wirtschaftsausschuss, in den Fördervereinen, durch sachkundige und seelsorgerlich talentierte Ehrenamtliche und Gäste. Wie einen Durchbruch erlebte ich den Hinweis angesichts der wirtschaftlichen Bürde: Frau Hartmann, vielleicht schlummern in Ihnen ja noch Gaben, die auf ihre Entfaltung warten. – Und plötzlich war die Erinnerung da, dass die Berufsberatung mir einst empfohlen hatte, BWL zu studieren.
Schnell war klar, das liebliche Land muss beackert, umgebaut und wieder neu angelegt werden. 4 Jahre Bauzeit in einem engagierten Team von OKR, Stift, Pastoralkolleg und Ehrenamtlichen waren eine beglückende Erfahrung trotz der enormen Belastung für die gesamte Mitarbeiterschaft. Die Geschichte wurde lebendig in der klösterlich-schlichten Gestaltung des Hauses und in der Konzeption EINKEHREN-TAGEN-ERHOLEN-FEIERN.
Diese mit Leben zu füllen zum Wohl der Gäste war und bleibt Auftrag und Anliegen in der gesamten Mitarbeiterschaft. Viele sind schon Jahrzehnte dabei, andere wirkten für eine begrenzte Zeit mit; Konflikte gab’s und Schmerz, Trennungen und Zusammenwirken, Gelingen, Freude und Zuspruch; vor allem aber Gottes und der Menschen vielfältige Hilfe.
Zum Jahresende werde ich das liebliche Land Stift Urach verlassen. Ich freue mich, dass meine Nachfolger es als ihr Los empfangen und weiter bebauen können und verabschiede mich mit Worten von Dag Hammarskjöld:
„Dem Vergangenen Dank, dem Kommenden JA!“

Bärbel Hartmann