Stille zuhause am 2. Advent - ein Experiment

Sollen wir es kurzfristig wagen und die Schweigetage in den digitalen Raum verlegen, als klar war, dass im Dezember keine Seminare in Urach stattfinden werden? Werden sich dazu überhaupt Menschen anmelden, denen gerade der Abstand von zuhause und denen die besondere Stiftsatmosphäre hilft, zu sich selber und zu Gott zu finden? Martin Süßer und ich haben diese Fragen gestellt und es dann gewagt.
Schon die Antworten auf die Einladung waren erstaunlich. Natürlich konnten sich das einige gar nicht denken und viele hatten verständliche Fragen: Wie wird das mit der Stille, wenn die ganze Familie im Haus ist? Klappt das technisch? Aber die Grundstimmung von neun Personen, die sich mit uns zusammen auf dieses Experiment eingelassen haben, war so positiv, dass das uns beide beflügelt hat.

Passend zu unserem Thema, dem Adventslied „O Heiland reiß die Himmel auf“, haben wir miteinander erlebt, dass sich der Himmel für uns alle geöffnet hat. Und das obwohl so vieles schmerzlich vermisst wurde. Geschweige denn, wie es ist bei kurzfristiger Anmeldung vom beruflichen Vollgasmodus in ein stilles Wochenende umzuschalten oder wenn man die Bügelwäsche vor Augen hat. Trotzdem wurde eine tiefe Verbundenheit möglich. Persönliche Fragen und Nöte wurden in kurzen Austauschrunden nach der persönlichen Stille in großer Offenheit miteinander geteilt. Ein Teilnehmer bedankte sich für die Geborgenheit und das Angenommensein.
Für mich waren es mit die intensivsten Schweigetage, die ich für das Stift durchgeführt habe. Und Martin Süßer und ich sehen uns angesichts der vielen wertschätzenden und hilfreichen Rückmeldungen bestärkt, auch die Schweigetage zum Beginn der Fastenzeit in dieser Weise zu gestalten, sollten sie nicht im Stift stattfinden können.
Martin Schmid