Gert Koch: Überfahrt – Holzschnitte und Objekte -
Ausstellung im Stift Urach vom 20. November bis 30. Dezember 2016

Von der Ausbeutung bis zum Aufbruch in eine neue Welt

Gert Koch ist ein Kosmopolit. Er pendelt zwischen Süddeutschland, Mittelmeerländern und den Kapverden. Schon früh bestimmte der Holzschnitt während Studienaufenthalten in Japan seine künstlerische Laufbahn.

Seit über dreißig Jahren befinden sich zahlreiche Werke des Künstlers in privaten und öffentlichen Kollektionen im In- und Ausland, darunter in der renommierten Sammlung Würth. Eine umfangreiche Werkschau zeigt nun das Stift Urach vom 20. November bis 30. Dezember 2016.

Gert Koch experimentiert und erweitert den Holzschnitt, wodurch ein facettenreiches Spektrum, Objekte und Stelen, unter Verwendung und Miteinbeziehung der Druckstöcke, entsteht. Er entwickelt Chiffren zu  existenziellen Grundfragen in einer archaischen und auf das Wesentliche reduzierten Bild-, Form- und Farbsprache. Wiederkehrende, frühprägende Themen werden zu essentiellen Aussagen verdichtet.

Die Arbeiten bilden, in der urzeitlichen, an Höhlenmalerei erinnernden Darstellungen, und unter Verwendung von geschichtsreichen Fundstücken, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie sind zeitkritisch und wegweisend. Gert Koch bringt mit seiner Kunst die Suche nach menschlicher Identität und komplexe Themengebiete wie moderne Versklavung, Ausbeutung von Mensch und Natur zum Ausdruck. 

Die aktuellen Arbeiten der Serie „Meerbilder“ schließen an den Zyklus „Vertreibung“ an. Bislang stand der Mensch im Mittelpunkt der Werke. Nun bestimmen Menschenleere, entrückte, mystisch anmutende, in Nebel gehüllte Landschaften, angedeutete Bootskörper und verlassen scheinende Architektur – der Aufbruch in eine neue Welt – das Zentrum seines Schaffens.

 

 

Im Vorfeld der Ausstellung  sprach Pfarrerin Ute Bögel mit dem Künstler:

Was erwartet uns in Ihrer Ausstellung im Stift?

Der Betrachter begegnet der künstlerischen Auseinandersetzung mit aktuellen politischen, sozialkritischen Themen und humanistischen Fragen. Aus drei wichtigen Werkgruppen werden Holzschnitte und Skulpturen aus Holz und Metall gezeigt. Flucht, Vertreibung, Entwurzelung, Ausbeutung von Mensch und Natur, Versklavung gestern und heute, aber auch die „Bootschafft Hoffnung“ im doppelten Sinn.

Ihre Ausstellung trägt den Titel "Überfahrt".  Was verbinden Sie damit? Erkennt man diesen Gedanken in den ausgestellten Werken wieder?

Ich begreife das Leben - und das davor und danach - als einen wechselnden Zustand von einem Stadium zum anderen, was sich in allen Arbeiten verdeutlicht.

Gibt es ein Exponat in Ihrer Ausstellung, das Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist? Warum? Verbindet sich damit eine besondere Erfahrung, Geschichte …?

In allen Holzschnitten und Objekten spiegeln sich meine persönlichen Erfahrungen wider, seien es Erlebnisse oder Begegnungen, die mich zu den jeweiligen Themen inspiriert haben. Da es sehr individuelle (subjektive) Erlebnisse sind, bedeuten mir alle Exponate viel. Gerade entsteht eine Serie mit dem Titel „Meerbilder“. Diese Werke liegen mir ganz besonders am Herzen, da sie den Gedanken der „Überfahrt“ auf andere Art vermitteln. Es sind von Menschen befreite Landschaften, die eine Erneuerung spürbar werden lassen. Da ich für einige Monate pro Jahr in der Abgeschiedenheit am Meer mit seiner unendlichen Weite und Tragik lebe, fordert die Thematik „Überfahrt in eine ungewisse, bessere Welt“ geradezu eine künstlerische Umsetzung.

Was verbindet Sie mit Stift Urach?

Neben kritischen weltpolitischen befasse ich mich mit christlichen und kirchenpolitischen Themen. Da von 1560 bis 1566 die erste internationale Bibeldruckerei im Stift Urach eingerichtet wurde, gibt es eine weitere Verbindung, da ich unter anderem auf historischen Bibelseiten drucke und geschichtsträchtige Hölzer aus Sakralbauten für meine Arbeiten verwende.
Ich freue mich, meine Arbeiten nach der erfolgreichen Ausstellung in der Bunkerkirche in Düsseldorf nun im Stift Urach zeigen zu können.

Danke für das Gespräch.

 

Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag 9 bis 19 Uhr,

Sonntag 9 bis 14 Uhr

Flyer der Ausstellung