Stift Urach | Stationen seiner Geschichte
1477–1514:
Graf Eberhard lässt das Stift an die im Umbau befindliche Amanduskirche anbauen, als Wirkstätte der »Brüder vom gemeinsamen Leben«, die er zum geistigen Aufbau seines Landes hierher holte. Die klösterliche Gemeinschaft lebt aus den Stundengebeten und beschäftigt sich mit der Theologie im Geist des William von Ockham (»moderne Frömmigkeit«), der Übersetzung und Herstellung wichtiger Bücher, sowie der Erziehung in der Lateinschule (auf dem heutigen Platz des Seminargebäudes mit Pastoralkolleg) und den sozialen Aufgaben im Spital (heute Grund- und Hauptschule).
1560–1566:
Nach der Reformation wird für Pfarrer Primus Truber (Foto), den Reformator Sloweniens, im Stift die erste internationale Bibeldruckerei eingerichtet. 30 000 Bibeln und Katechismen in Slowenisch, das damit zur Schriftsprache wird, sowie in Kroatisch werden hier gedruckt.
1599–1793:
Das Stift wird Sitz der »Uracher Leinwandhandelskompanie« und Lagerstätte für Uracher Leinen. 1599 hatte Herzog Friedrich I. Urach dafür ein Privileg erteilt.
1806–1818:
König Friedrich I. lässt den Fohlenhof von Güterstein ins
Stift verlegen. »Olim musis, nunc mulis« (»Einst Musen, jetzt Maultiere«) war der Spottvers auf diese ungeeignete Nutzung.
1818–1977:
Unter König Wilhelm I. ziehen die Fohlen um und Seminaristen ein in das neu eingerichtete evangelisch-theologische Seminar. Im Geist des Neuhumanismus prägt die Schule und ihr gemeinsames Leben Pfarrer und Lehrer, Geistes- und Naturwissenschaftler, Historiker, Ärzte, Juristen, Techniker und auch Musiker und Dichter zu »Uracher Köpfen«, darunter auch Eduard Mörike. Im Zuge der Oberstufenreform wird das Seminar 1977 geschlossen.
1980 bis heute
Stift Urach wird das Einkehrhaus der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Einkehr in seine Geschichte zeigt seine noch immer bestimmenden Wurzeln: das Leben aus dem regelmäßigen Gebet, die intensive Beschäftigung mit der Bibel, die Hinwendung zur Welt und die Bildung in christlichem Geist. Allein die Pferde bleiben Episode …



